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Leibniz-Kolleg Potsdam zeichnet junge Potsdamer Wissenschaftler aus: Publikationspreis an Henriette Kirchner, Sonderpreis in Astrophysik an Oliver Gressel
Preisverleihung heute um 16:00 Uhr im Auditorium maximum der Universität Potsdam, Am Neuen Palais, 14469 Potsdam ------------------------------------- Der Publikationspreis des Leibniz-Kolleg Potsdam 2010 geht an die Diplom- Ernährungswissenschaftlerin Henriette Kirchner vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam/Rehbrücke (DIfE).
Fettsensor entdeckt
Übergewicht gilt weithin als zivilisatorische Folge von zu wenig Bewegung und dauerhaft falschen Ernährungsgewohnheiten. Nur zu gern werden die oft schwerwiegenden Folgen für das Herz-Kreislauf-System und den Bewegungsapparat des Menschen verdrängt. Die Problemchen, so meinen viele, lassen sich mit einer kleinen Diät und ein bisschen Nordic Walking schon in den Griff bekommen: alles nur eine Frage des Willens. Doch was ist eigentlich mit den körpereigenen Mechanismen? Wie entsteht Übergewicht, was passiert dabei genau im Körper? Die Arbeit von Wissenschaftlern wie Henriette Kirchner setzt genau hier an.
Ihre Versuche haben gezeigt, dass das Hormon Ghrelin den Appetit steigert, und es damit auch für Übergewicht verantwortlich sein könnte. Ein hoher Ghrelinspiegel verlangsamt zudem den Stoffwechsel, hemmt die Fettverbrennung und fördert damit den Körperfettansatz.
Allerdings muss das Hormon Ghrelin erst einmal durch die Ankopplung bestimmter Fettsäuren aktiviert werden. Und dafür ist das kürzlich entdeckte Enzym Ghrelin-O-Acyl-Transferase verantwortlich, kurz GOAT genannt.
Henriette Kirchner hat die natürliche Regulation von Ghrelin und GOAT bei Labormäusen untersucht. Sie beschreibt in ihrer Veröffentlichung außerdem die Auswirkungen einer Überproduktion oder gar des Fehlens von GOAT. Sie konnte beweisen, dass GOAT zur Aktivierung des Hormons bestimmte Fette nutzt, die mit der Nahrung aufgenommen werden - nicht jedoch das körpereigene Fett. Damit ist es möglich, Ghrelin durch eine gezielte Auswahl bestimmter Nahrungsfette anzuschalten.
Kirchners Studie zeigt, dass Ghrelin bislang von der Forschung zutiefst missverstanden wurde: Das Hormon ist nicht der klassischer Appetitmelder. Vielmehr könnte Ghrelin als eine Art „Fettsensor“ fungieren, um die aufgenommene Nahrung möglichst effektiv auszunutzen und zu speichern. Die genetischen Modelle dieser Studie zeigen außerdem, dass ein Verlust von GOAT zu einem niedrigeren Körpergewicht und einem geringeren Körperfettanteil führt. Dies lässt den Schluss zu, dass neuartige, GOAT-hemmende Medikamente in der Therapie gegen Übergewicht eingesetzt werden könnten.
Die 1980 geborene Berlinerin Henriette Kirchner studierte an der Friedrich-Schiller Universität in Jena. Nach dem Diplom wechselte sie in die USA, forschte zunächst an der Upstate Medical University in Syracuse, New York und von 2007 bis zum Frühjahr 2010 an der University of Cincinnati, Ohio. In Zusammenarbeit mit dem DIfE bearbeitete sie dort ihr Promotionsprojekt im Rahmen des internationalen Leibniz-Graduiertenkollegs „Sensorische, endokrine und metabolische Kontrolle der Nahrungsauswahl“.
Henriette Kirchner erhält den mit 2.500 € dotierten Publikationspreis des Leibniz- Kolleg Potsdam für junge Nachwuchswissenschaftler. Sie zeichnet sich durch hervorragende Publikationstätigkeit und ungewöhnlich hohe Produktivität vor ihrer Promotion aus und war darüber hinaus bereits als junge Wissenschaftlerin dazu eingeladen, einen internationalen Übersichtsartikel zu schreiben.
Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Es erforscht die Ursachen ernährungsbedingter Erkrankungen, um neue Strategien für Prävention, Therapie und Ernährungsempfehlungen zu entwickeln. Forschungsschwerpunkte sind dabei Adipositas (Fettsucht), Diabetes und Krebs.
Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören zurzeit 86 Forschungsinstitute und Serviceeinrichtungen für die Forschung sowie drei assoziierte Mitglieder. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute arbeiten strategisch und themenorientiert an Fragestellungen von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung. Bund und Länder fördern die Institute der Leibniz-Gemeinschaft daher gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen etwa 16.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon sind ca. 7.100 Wissenschaftler, davon wiederum 2.800 Nachwuchswissenschaftler.
Weitere Informationen:
www.dife.de (Informationen zum Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke);
www.neonresearch.com (Informationen zur University of Cincinnati, Ohio: Metabolic Diseases Institute, Obesity Research Center, Arbeitsgruppe von Professor Matthias Tschöp);
www.leibniz-gemeinschaft.de (Informationen zur Leibniz-Gemeinschaft)
Kirchner et al.: GOAT links dietary lipids with the endocrine control of energy balance. Natur-Medicine 15, 741-745 (2009)
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